Damen Swiss Mobiliar League Bern Capitals
Mission Durstlöschen bei Kilometer 6,8 (25.05.2010)
Stress für die Freiwillige Regula Halter und ihre Kolleginnen. Foto: Manuel Zingg
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Die Caps-Damen amteten am diesjährigen Grand Prix Bern als freiwillige Helfer. In der Zeitung «Der Bund» erschien am Dienstag, 25. Mai 2010 ein Artikel, wie es Miriam Flückiger, Cornelia Oberli, Claudia Meier und Regula Halter am Wasserstand erging.
Grand Prix Bern. Fast 23 000 Menschen starteten am Samstag zum Stadtlauf. Wegen des Sommerwetters erlebten die freiwilligen Helfer am Wasserstand eine unliebsame Überraschung.
Matthias Raaflaub
Unablässig strömen die Läufer auf den Tisch mit den Wasserbechern zu. Eine Menschenlawine ist am Tierparkweg aufgetaucht. Seither hat es am Wasserposten keinen Unterbruch mehr gegeben. Die freiwilligen Helfer sind im Dauereinsatz, nicht weniger als 70 Minuten lang. «Ich dachte, es würde vielleicht eine hektische Viertelstunde geben», sagt Miriam Flückiger. Mit dem nicht enden wollenden Ausnahmezustand aber hatte keiner der sechs Freiwilligen am Wasserstand gerechnet.
16 Uhr. Als der Grand Prix Bern beim Guisanplatz beginnt, ist am Tierparkweg noch alles ruhig. Hier, beim Eingang zum Dählhölzli, haben sich Claudia Meier, Regula Halter, Cornelia Oberli, Miriam Flückiger, Philipp Benker und Heinz Moser seit neun Uhr morgens eingerichtet. Sie betreuen bei Kilometer 6,8 einen von drei Wasserständen am Grand Prix. Zwei mit Bahnpalletten gebaute Wassertröge erwarten hier die Läuferinnen und Läufer zur kurzen Erfrischung. Postenchef Heinz Moser füllt die Wasserbehälter mit dem Feuerwehrschlauch. «Sie haben jemanden gesucht, der Erfahrung hat und einen kühlen Kopf bewahren kann, wenn es einmal brenzlig werden sollte», sagt er. Als Mitglied der Feuerwehr bringt er diese Voraussetzungen mit. Philipp Benker übernimmt die «Dusche»: Aus einem Schlauch spritzt er am Rande der Strecke Wasser im Bogen über die Köpfe derer, die sich abkühlen wollen. Erstmals geben die Freiwilligen am Stand auch Wasser in Kartonbechern aus. Auf zwei langen Festtischen haben die vier Frauen, alle vom Unihockey-Klub Bern Capitals darum schon Vorarbeit geleistet. Rund 250 gefüllte Becher sind dort exakt aufgereiht. Total 25 000 stehen am Stand bereit. Regula Halter holt Anlauf und greift sich aus dem Spurt einen der Becher. Der Test ist erfolgreich. In weiser Voraussicht stehen alle vier barfuss am Tisch, die Hosen hochgekrempelt.
Als die Läuferin an der Spitze des Damenfeldes passiert, bleiben die Becher unberührt. Eine Verfolgerin verwirft im Lauf fragend die Arme. «Sollten wir sie ihnen in die Hände drücken?», fragt Halter. Nach einem Moment der Unsicherheit stellen sich die Damen mit Bechern in der Hand auf die Strasse. Dass sie diese einfacher abgeben können, wenn sie den Läufern mit der Hand vorauseilen, ist den Unihockey-Spielerinnen klar. Ihr Balanceakt zwischen den Spitzenläufern erinnert an den Tanz der Toreros in der Stierkampfarena. Bald darauf wird es für sie aber zu brenzlig. Die Männer haben den Startrückstand auf die Läuferinnen aufgeholt. Federleicht und mit Riesenschritten zischen die Afrikaner vorbei. Rückzug hinter die Tische heisst es für die «Volunteers». Überraschend hält ein Läufer aus der Spitzengruppe beim Wasserstand an. Er verschnauft, geht gemächlich unter der Dusche durch, ehe er wieder in den Laufschritt wechselt. «Es ist wohl heisser, als einige bei der Vorbereitung erwartet haben», kommentiert Benker am Feuerwehrschlauch. Der Andrang der Amateure am Wasserstand gibt ihm recht. Der Tisch mit Bechern leert sich plötzlich rasend schnell. Auch für die «Capitals»-Frauen beginnt nun ein Kampf gegen die Zeit. Unablässig schaufeln sie mit Bechern aus dem Wassertrog. Noch ehe einer davon die Tischplatte berührt, wird er schon abgegriff en. Die schnaufenden Läufer stauen sich am Stand. Die ambitionierten unter ihnen wollen ja keine Zeit verlieren. Einzelne scheuen auch nicht davor zurück, ihren Mitläufern die Erfrischung aus der Hand zu stehlen. «Die Menschen werden wie wilde Tiere, wenn sie etwas wollen», sagt Miriam Flückiger später. Der Turm der gestapelten leeren Becher kollabiert, als sich ein Läufer eigenmächtig hinter den Tisch lehnt. Kurz scheint es so, als verlören die sechs Postenwärter die Kontrolle. Heinz Moser rennt mit dem Schlauch in der Hand von Wassertrog zu Wassertrog. So muss es sein, wenn es brennt.
Erst als mit den hohen Startnummern die Starterblocks mit Motto «Dabei sein ist alles» vorbeikommen, gewinnen die Freiwilligen die Oberhand zurück. Jetzt beobachtet man auch Teilnehmer, die den geleerten Becher wieder höfl ich zurückstellen. Die Mission Durstlöschen endet erfolgreich. «Das war gerade extrem», sagt Moser. Wie die Läufer im Ziel verschnaufen die Freiwilligen erst einmal, als die letzten Teilnehmer vorüberjoggen. Sie sind zufrieden mit dem geleisteten Einsatz. Der Arbeitstag ist aber noch lange nicht vorüber. Es geht mit Aufräumen weiter. «Es hat sich herausgestellt, dass der Besenwagen mit seinem Namen nichts gemein hat», sagt Regula Halter. Sie lacht und macht sich mit ihren Kollegen daran, die Strasse zu reinigen. Tausende platt gewalzte Becher bedecken den Asphalt – wie Laub nach einem Sturm.
Artikel im «Der Bund» vom Dienstag, 25. Mai 2010